Alice Schwarzer vs. Kollegah: Sexist Man Alive Award, Klischees & zweifelhafte Begründungen!

/
/
/

Nachdem die Stadt Rastatt Kollegah erst vor wenigen Tagen “aufgrund seiner antisemitischen” Texte sein Konzert untersagte, wird der Boss der Bosse nun für “seinen enthemmten Sexismus, Antisemitismus und Islamismus” ausgezeichnet. Während wir es von den meisten Magazinen gewöhnt sind, dass der “Sexiest Man Alive” gekürt wird, knöpft eine bestimmte Zeitschrift sich nun den größten Frauenverächter vor. Zumindest in ihrer subjektiven Wahrnehmung. Verantwortlich für den Award, der sich nun zu Kollegahs zehn HipHop-Awards und drei Echos dazu gesellt, ist das feministische Magazin “Emma”. Erstmals vergibt die Redaktion, deren Chefredakteurin keine Geringere als die bekannte Feministin Alice Schwarzer ist, einen Award für den krassesten Sexisten. Als erster Preisträger wird Kollegah “geehrt”. In einem Artikel, in dem der Boss als erster Award-Gewinner bekannt gegeben wird, richtet die Redaktion sich direkt an den Düsseldorfer Rapper und verurteilt ihn auf’s Schärfste: “Keiner ist so sexistisch, so homophob und so antisemitisch wie du”, wird Kollegah vorgeworfen.

Moslem gleich antisemitisch?!

Im Fokus stehen auch hier Kollegahs und Farids Texte auf JBG3. Ja, es gibt safe frauenverachtende Texte von Kolle und Farid. So wie es in sehr vielen Rap-Songs frauenverachtende Lines gibt, die viele weibliche Zuhörer aber dennoch pumpen und feiern und nicht als frauenverachtend aufnehmen bzw. sich nicht daran zu stören scheinen. Künstlerische Freiheit und so. Künstlerische Überspitzung und so. Um zu verdeutlichen, was für ein krasser Sexist Kollegah doch sei, werden im Artikel auch direkt Lines von ihm herangezogen: “Dein Chick ist ne Broke-Ass-Bitch, denn ich fick sie, bis ihr Steißbein bricht /Dieses Album kommt, weil ihr wieder Ansagen braucht /Fuck mich ab und ich ficke deine schwangere Frau / Danach fick‘ ich deine Ma, die Flüchtlingsschlampe.“ Und auch die Aussage, dass der Boss homophob sei, soll eine Line von ihm stützen: “Ich komm mit ner Horde Hunde plus Zuhältern, die dich ermorden, Tunte.”

Aber Kolle sei nicht nur homophob und sexistisch, er sei auch antisemitisch. Und genau hier wird der Artikel weird bzw. unschlüssig. Antisemitismus-Vorwürfe gab es gegen Kollegah bereits zu Genüge. Erst vor wenigen Tagen berichteten wir über das abgesagte Konzert und welche Lines von ihm Einigen da draußen sauer aufstoßen. Aber die “Emma” schreibt: “So mancher meint, das mit dem Antisemitismus wäre ein Ausrutscher. Von wegen, Alter! Das hat System. Denn nach deiner katholischen Kindheit im Hunsrück bist du mit 15 zum Islam konvertiert. Wie das? Dein neuer Stiefvater ist Algerier ‘und da lag der Koran bei uns zuhaus rum’. Folge: Erleuchtung!” Das liest sich so, als würde die “Emma” alle Muslime über einen Kamm scheren und damit sagen wollen: Wenn du Moslem bist und an den Koran glaubst, bist du automatisch auch judenfeindlich. Außerdem: Kollegahs Stiefvater ist Algerier und somit Moslem. Im Alter von grad mal 15 hat der kleine Kollegah sich durch den Einfluss seines Stiefvaters gedacht, dass er auch zum Islam konvertieren möchte. Bedeutet das jetzt, dass Kollegah schon mit 15 aus Kalkül zum Islam konvertiert sei? Dachte er sich damals sowas wie: “Mein Stiefvater macht das, ich mache das jetzt auch, weil ich weiß, dass ich dann eines Tages antisemitisch sein und im besten Fall noch ganz viel Para scheffeln kann”?! Hier scheint die “Emma” auch zu vergessen, was für eine wichtige Rolle die Vaterfigur grad für Jungs einnimmt. Ist der “echte” Vater weg, kann es schnell passieren, dass der Stiefvater diesen Platz einnimmt und man diesem nacheifert, in diesem die Vorbildfunktion sucht und dann auch findet. Kanackenkinder können ein Lied davon singen. 

Glaube

Weiter schreibt das Magazin: “Heute bist du nicht nur gläubig, du bist schriftgläubig. Den Koran, ‘das Wort Gottes’, kennst du ‘fast auswendig’. Fünf Mal am Tag Beten gehört gewiss dazu. Vermutlich am liebsten mit deinem Bruder Farid Bang. Der rappt mit dir die Line: ‘Mach dein Bahnhofsgetto zu Charlie Hebdo.’ Im Klartext: Auch an deutschen Bahnhöfen einfach mal alle niederballern!” Auch hier: Menschen, die an den Koran und das Wort Allahs glauben sind gleich antisemitisch? Sie rennen dann automatisch los und ballern rum, werden zu Terroristen? Hier werden irgendwie Klischees bedient, die wir aus den Mainstream-Medien gegenüber Muslimen und dem Islam zu gut kennen. Und sie werden sehr oberflächlich bedient. Es liest sich so, als wollte die “Emma” sagen: Weil Kollegahs Stiefvater Moslem und Kollegah dadurch zum Islam konvertiert ist, muss er ja antisemitisch, homophob, frauenfeindlich und ein Terrorist sein. Und als würde das für Muslime allgemein gelten. 

Antisemitismus

“Deine Feinde, Kollegah, sind ‘die Rothschilds’, deine Freunde die Palästinenser. 2016 bist du zu ihnen gereist. Für dich ist klar: Die ‘Endschlacht’ (oder die Endlösung?) zwischen Gut und Böse wird ‘in Jerusalem’ stattfinden. Damit auch noch der Naivste versteht, hast du in einem Interview mit HipHop.de den Umgang Israels mit den Palästinensern mit dem Holocaust verglichen”, schreibt Emma in Bezug auf Kollegahs vermeintlichen Antisemitismus. Hier wird aber nirgends erwähnt, dass Kollegah nach dem ganzen Echo-Skandal die Gedenkstätte Auschwitz besuchte und sich danach geläutet gab: “Ich werde so etwas nie wieder benutzen”, sagte Kollegah danach gegenüber dem “Stern” auf die Frage, ob “Auschwitz” und “Holocaust” für Rap-Zeilen geeignet seien. Im Gespräch mit “HIPHOP.de” hatte er die Ermordung von sechs Millionen Juden mit der Situation in den Palästinensergebieten verglichen, ja. Kollegah betonte aber auch, dass er damit nicht den Holocaust relativiere. Sein Vergleich habe sich rein auf das Töten unschuldiger Menschen allgemein bezogen, ganz unabhängig aus welchem Grund diese ermordet werden. Diese Infos, die für eine ausgewogene Berichterstattung wichtig wären, finden im “Emma”-Artikel leider keinen Platz.

Kollegahs Verlobte

Und selbst Kollegahs Frau wird mit reingezogen. Seit 2011 sei Kollegah verlobt, aber niemand habe seine Frau bisher gesehen. Daraufhin stellt das Magazin die wirklich wichtigen Fragen, die den Feminismus voranbringen (Ironie Off): Wie Kolles bessere Hälfte wohl aussieht? Ob sie wohl verschleiert ist? Ob nur Kollegah sie sehen darf? Ob er ihr wohl die Tür aufhält oder eher versperrt? Auch hier werden reihenweise Klischees über Muslime bedient. In diesem Zusammenhang schreibt das Magazin: “Denn ‘Frauen wollen vom Mann geführt werden’, wie du weißt, und dein ‘Wort Gottes’ gebietet ja, dass eine anständige Frau das Haus nicht ohne ihren Mann verlässt. Und da du meist auf Tour bist oder mit netten Kumpels wie Bruder Farid abhängst …” Das Magazin schließt dann mit den Worten ab, dass es den Sexist-Man-Alive-Award am Liebsten seiner Verlobten übergeben würde, “denn die trägt das ja alles mit.” Im selben Atemzug wird dem Rapper auch vorgeworfen, dass seine komplette Karriere einfach nur Kalkül sei: “Oder kennt sie [Kollegahs Frau] nur den Felix Blume? Der Felix, der mit 17 einen Malwettbewerb in der Schule gewonnen und mit 25 ein Jura-Studium begonnen hat? Der aber dann schnell gerafft hat, wie leicht man als ‘Zuhälter’, ‘Imperator’ und ‘Boss-der-Bosse’ abkassieren kann.” Abgeschlossen wird das ganze Stück mit den Worten “Es grüßen die Fotzen, Huren und Bitches von EMMA”.

Farid Bang

Kollegahs guter Freund, Kollege und Brudi Farid hat sich mittlerweile auch schon geäußert. In typisch lustiger Farid-Manier erklärt er in seiner Insta-Story, dass es wahrscheinlich ein Kopf an Kopf-Rennen zwischen ihm und Kollegah war, der Boss am Ende dieses Jahr aber gewonnen hat. Nächstes Jahr könnte dann ja vielleicht Farid das Rennen machen, sagt er. Da hätte die “Emma” ja auch wieder alle Kriterien, die zutreffend sind und müsste sich gar nicht mehr die Mühe mit der guten Recherche machen: Erfolgreicher Rapper mit Millionen auf dem Konto, Schwarzkopf und Moslem. Der kann ja nur frauenfeindlich, antisemitisch und homophob sein … 

This div height required for enabling the sticky sidebar
Helal Gossip

Kostenfrei
Ansehen