Corona-Infizierte mit Nicht-Infizierten im Knast: Pascal Kerouches Freund durchlebt absoluten Horror!

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Wer die Arbeit von Fotograf Pascal Kerouche verfolgt, wird auch seine beiden Bilderbücher “Snapshot Stories” und “Zwei Null Eins Sieben” kennen. Bei Ersterem wurde das Vorwort von einem engen und langjährigen Freund von Pascal geschrieben: Karim Tahir Golding. In besagtem Vorwort spricht Karim neben Pascals Arbeit auch seine 20-jährige Haftstrafe an. “The Intercept” zufolge wurde diese mittlerweile auf zehn Jahre verkürzt. Denn er sei schockiert und überrascht zugleich darüber gewesen, dass Pascal ausgerechnet ihn für das Intro auserwählt hat. Schließlich kenne Pascal mit u.a. Snoop Dogg die größten Superstars dieser Welt. Auch er habe Pascal über die Musik kennengelernt. Und tatsächlich kennt Pascal durch seine Arbeit mittlerweile die größten Rap-Superstars auf dieser Welt und hätte jeden von ihnen  fragen können, ob sie das Vorwort für sein erstes Buch übernehmen wollen. Aber er wählte Karim Golding. 

“Das wird ein Selbstmord”

Wir Menschen, die in Freiheit leben, ziehen uns seit Wochen mehr oder weniger freiwillig zurück in unsere vier Wände. Manche haben ihre Familien mit sich, manche einen Partner und wiederum andere verbringen die Corona-Krise zum Großteil alleine. Aber wie sieht es eigentlich mit Menschen aus, für die es normal ist, die ganze Zeit eingesperrt und abgeschottet zu sein? Und das vor allem mit etlichen weiteren Menschen, die man sich selbst gar nicht aussuchen kann. Mittlerweile ist das Coronavirus auch in den Gefängnissen in den USA angekommen. In manchen Gefängnissen wurden Hunderte von Menschen vorübergehend entlassen, um die Verbreitung des Virus zu bekämpfen und die Gefängnisse zu entlasten. Aber dennoch gibt es auch Berichte und Aufnahmen, wie in manchen Gefängnissen ein Fick drauf gegeben wird und Corona-Infizierte einfach mit Nicht-Infizierten zusammengesteckt werden. Viele Insassen sind verzweifelt, haben große Angst, sich dadurch mit dem Virus anzustecken. Sie fordern Quarantäne für diejenigen, die infiziert sind. Aber ihre Bitte wird ignoriert. Also greifen sie dementsprechend zu außergewöhnlichen Maßnahmen, in der Hoffnung, dem Ganzen ein Ende zu setzen.

So auch Pascals Homie Karim, der momentan seine Zeit im Etowah County Jail in Alabama absitzt. Der 35-Jährige ist jetzt zwischen die Stangen eines Geländers im zweiten Stock des Gefängnisses geschlüpft. Am Geländer hat er das Ende eines Bettlakens angebracht, das andere Ende wickelte er wie eine Schlinge um seinen Hals. Weitere Insassen haben sich ihm angeschlossen und dasselbe getan. Auf der anderen Seite ihrer Einheit nahm ein Mann die Szene auf seinem Handy auf. Schnell verbreiteten die schockierenden Aufnahmen sich im Internet und das Video ging viral: “Das wird ein Selbstmord”, hörte man Karim sagen. Hamdullah, zum Selbstmord ist es nie gekommen.

Kein Erfolg

Karims Plan schien zumindest für einen kurzen Moment zu funktionieren und einen Dialog zwischen den Häftlingen und Gefängnisbeamten zu erzwingen. Denn im Knast ist Social Distancing unmöglich und die Versorgung mit angemessener Medizin seit langem nicht mehr gewährleistet, wie “The Intercept” berichtet. Trotz des dramatischen Protests sollen aber weiterhin neue Häftlinge in das Gefängnis geschickt werden, darunter auch Personen, die zuvor schon in anderen Einrichtungen abgesessen haben, wo sich auch bestätigte Corona-Infizierte unter ihnen befanden. Erst vor kurzem sollen die Beamten “The Intercept” zufolge zwei Einheiten zu einer zusammengelegt haben, wodurch sich die Anzahl der Männer, die sich über Nacht den Raum teilen müssen, praktisch verdoppelt haben soll. 

“Wir sind die letzten Menschen, die geschützt werden”, sagt Karim gegenüber “The Intercept”. “Wenn wir sterben, was dann? Das ist die Haltung der Menschen hier. Das ist die Haltung des Generalstaatsanwalts. Das ist die Haltung des Präsidenten.” Beerdigungen seien schließlich günstiger als Ausweisungen, so Karim. Er spielt hier also darauf an, dass die Einrichtung eher an ihre eigenen Interessen und Profit denkt als an Menschenleben. 

ICE

Die ICE ist “The Intercept” zufolge wohl schon länger dafür bekannt, alles andere als objektiv zu sein, wenn es um die Bewährung, speziell von Insassen in Donald Trumps Alter, geht. Die Rate der Ablehnungen von Bewährungsanträgen dieser Gruppe liegt wohl bei nahezu 100 Prozent. Außer diesem gibt es noch etliche weitere Vorwürfe gegen die amerikanische Vollzugsbehörde. Auf den Fall oben angesprochen, bekam “The Intercept” wohl lediglich die Antwort, dass alle
Vorgaben des Gesundheitsamtes erfüllt seien und man sich an alle Abläufe halte. Jedoch gäbe es keinen einzigen Fall von Covid-19 in dem entsprechenden Gefängnis. Daher seien die Szenen, die viral gegangen sind, eine Folge von Missinformationen unter den Häftlingen.

Karim fühlte selbst Covid-19-Symptome und wollte sich auf den Coronavirus testen lassen. Bei dem Test scheint es sich allerdings nicht um einen Coronatest, sondern um ein “Basic Screening” gehandelt zu haben. Auch weitere Insassen ließen sich von der Krankenschwester untersuchen, die allen Covid-19-Symptome bestätigt haben soll. Niemand der vermutlich Infizierten wurde in
Quarantäne gebracht. Der Pressesprecher des ICE ließ die Reporter von “The Intercept” wissen: 

“Wenn Sie einen Häftling haben, der Ihnen mitteilt, dass in der Einrichtung Fälle vermutet wurden, verbreiten diese unwahre Gerüchte an Sie.”

Bryan D. Cox

Karim selbst sagt zu den Äußerungen von Cox: “Wir haben keine bestätigten Fälle, da hier niemand richtig getestet wird.” Wir können nur hoffen, dass sich die Zustände in den
Strafvollzugsanstalten der Vereinigten Staaten nicht noch weiter zuspitzen und endlich wirkliche Maßnahmen ergriffen werden, um die Häftlinge ernsthaft vor dem Virus schützen zu können. Wer sich den gesamten Artikel von “The Intercept” durchlesen will, kann das HIER tun.

Das Titelbild von Pascal Kerouche wurde von Svenja Trierscheid geschossen.

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