Pascal Kerouche spricht mit uns über seine Fashion-Kollektion mit Cleptomanicx: “Das was jetzt da ist, ist komplett aus dem Bauch raus entstanden!”

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In den letzten sechs Monaten war Pascal Kerouche nie länger als drei Tage am Stück Zuhause. Sein Zuhause ist eigentlich Hamburg. Aber in den vergangenen zwei Jahren war Pascal nur auf Achse und am Arbeiten. Als er unsere Fragen zu seiner anstehenden Fashion-Kollektion mit Cleptomanicx beantwortet, ist es 1:30 Uhr Nachts. Eigentlich soll das Video zur Kollektion schon am nächsten Tag auf dem Presale-Event laufen, aber Pascal hat es noch nicht geschafft, es fertigzustellen. Pünktlich zum Jahresende droppt er jetzt noch seine erste eigene Fashion-Kollektion in Zusammenarbeit mit dem Streetlabel aus Hamburg. 2019 war ein ziemlich hektisches, ereignisreiches und erfolgreiches Jahr für Pascal. Es war u.a. das Jahr, in dem er den Sprung vom Foto- und Videografen zum Werberegisseur geschafft hat. Seitdem hat er Clips mit Lewis Hamilton, Snoop Dogg und Meek Mill directed. Außerdem war er bis vor ein paar Tagen noch auf der großen “Palmen aus Plastik 2”-Zusatztour von Bonez und RAF dabei. Parallel dazu musste er sich um die anstehende Kollektion kümmern, die heute um 12 Uhr droppt und sich rund um die Stadt der Engel, L.A., dreht.

Zwischen Perfektion, Vertrauen & straffen Terminkalendern

Wenn es um seine eigenen Sachen geht, ist Pascal kein einfacher Mensch. “Ich glaube, jeder Clepto-Mitarbeiter hat mich mindestens einmal für einen Tag lang gehasst. Ich glaube am Ende hieß es dann immer: ‘Ja dann mach das doch selber'”, erzählt er uns. Allgemein lasse er sich bei seiner Arbeit viel von seinem Bauchgefühl leiten und denke nicht so sehr darüber nach, nur dann würde es auch richtig gut werden, so Pascal. Es war auch sein Bauchgefühl, das Pascal eines Nachts sagte, dass er doch nochmal alles umschmeißen und neu machen sollte. Zu diesem Zeitpunkt war die Kollektion mit Cleptomanicx bereits fertig und sollte eine Woche später schon in die Produktion gehen:

“Und ich meinte wirklich alles! Jedes Motiv, jeder Text, jede Farbe, alles! Vorher war ich irgendwie nicht happy. Jetzt komplett. Das meinte ich vorher mit Bauchgefühl, bei dem, was es davor gab, wurde zuviel hin und her gesprochen, es gab zu viele Meinungen. Das was jetzt da ist, ist komplett aus dem Bauch raus entstanden, irgendwann Nachts, wo eh keiner mehr wach war und ich bis sechs Uhr am Rechner saß. Und als die ersten Leute wach waren, war es eh schon fertig und komplett durchdacht von mir. Da waren mir dann andere Meinungen egal.”

Pascal Kerouche

Pascal hatte Glück, dass Clepto ihm so viele Freiheiten im Entstehungsprozess eingeräumt hat. Es ist die erste Kollabo von dem Hamburger Label, die nicht auf den vorhandenen Clepto-Schnitten basiert. Pascal durfte alles ausarbeiten, wie er es haben wollte, war zu 100 Prozent in der Entstehung involviert:

“Schwere Stoffe, wie die Schnitte sein sollen, alles. Wir waren extrem weit im Prozess, bevor überhaupt über irgendwas wie Kohle oder so gesprochen wurde. Ich habe mich erst super spät im Verlauf des Ganzen mit Jörg, dem Chef von Clepto, zusammengesetzt. Aber gar nicht mit Absicht, sondern weil wir einfach beide soviel andere Dinge zu tun hatten, und er das so aus der Ferne beobachtet hat und dachte wahrscheinlich ‘Lass die Jungs mal machen.’ Und ich dachte immer: ‘Ok irgendwie kommen wir schon auf einen Nenner, passt schon.’ Naja, irgendwann setzen wir uns zusammen und er fragt mich, für welche Clepto-Rohlinge ich mich entschieden hab, und ich wusste das nicht und meinte ‘Ne, ich hab mir eigene Schnitte ausgedacht.’ Normalerweise macht Clepto das nicht, ich bin tatsächlich die erste Kollabo, in der sie das machen. Jörg war so cool, dem Ganzen das Ok zu geben, weil er gesehen hat wie weit wir schon waren.”

Pascal Kerouche

Zu Cleptomanicx hat Pascal eine enge Bindung. Einer seiner besten Freunde, Henning, macht das Marketing für die Brand. Mit keiner Klamottenmarke habe Pascal so viel Zeit verbracht wie mit dem Hamburger Label. Außerdem hat er schon Künstler wie MoTrip oder Chefboss für Clepto fotografiert. Deshalb war auch ein großes Vertrauen gegenüber Pascal da, dass er schon keine Scheiße baut und ihm die volle Kontrolle über alles gegeben wurde. 

4 Teile, die eine Geschichte erzählen

Am Ende sind vier Pieces entstanden: ein Hoodie, Crewneck und zwei T-Shirts. Für jedes Teil hat Pascal Motive aus Los Angeles genommen, die er natürlich selber fotografiert hat und die in seinem Kopf hängen geblieben sind und die er einfach mag. Normalerweise fotografiert er fast nur Menschen, aber diesmal ist lediglich auf einem T-Shirt ein Bild einer Frau zu sehen: Zoe Summer, eine gute Freundin von Pascal. Er freut sich, weil er kaum Frauen fotografiert und das Bild von ihr und sie sehr feiert. Darüber hinaus war es ihm wichtig, dass es alles Teile sind, die er auch selber tragen würde. Sein persönlicher Favorit ist der “Bad Romantic”-Hoodie. Einfach weil Pascal Hoodies gerne mag. Und er mag schlichte Sachen, grad wenn es um Klamotten geht. Genau so sei auch die Kollektion geworden.

Mit seinen Motiven will Pascal Geschichten erzählen und Gefühle übertragen: 

“Ganz oft sind meine Bilder auch gar nicht technisch perfekt. Wobei ich es auch oft könnte, aber manchmal ist es mir einfach egal, weil ich gerne ein Gefühl übertragen möchte. Dazu wenn ich Menschen fotografiere, möchte ich gerne eine Seite rauskitzeln, die vielleicht nicht jeder schon kennt, und somit den Menschen nochmal anders kennen lernt und zeigt. Das hat natürlich viel mit Vertrauen zu tun.”

Pascal Kerouche

Zwischen Hollywood & Gang Violence

In L.A. hat Pascal dann auch einen Clip zur Kollektion gedreht. Bei diesem lag es ihm am Herzen, nicht nur die Kollektion, sondern auch sein eigenes Los Angeles, mit allen Facetten, zu zeigen und das Lebensgefühl einzufangen. Sein Wunsch ist es, dass Leute sich beim Anschauen des Clips denken: “Geil! Da wäre ich auch gerne dabei” oder sogar Parallelen zu ihrem eigenen Leben schaffen.

Dabei war es ihm wichtig, nicht nur “the good life” und die positiven Aspekte L.A.s aufzugreifen:

“Dazu gibt es natürlich die andere Seite der Medaille – Hood, Drogen, Waffen. Auch ein Teil meiner Realität, gar nicht, weil ich jetzt irgendwie im Ghetto lebe oder so, aber einfach viele Freunde von mir. Viele Freunde von mir sind durch Gang Violence in L.A. gestorben, und ich meine wirklich viele, über 15 Stück. Da gehört es für mich auch dazu. Es gibt eine Szene, die wir in Los Angeles gedreht haben, wo ein Crip an ‘ner Ecke steht und eine Waffe aus der Bauchtasche rausnimmt und kurz in die Kamera zeigt. Bei Clepto hat außer Henning, der dabei war, bis heute niemand diese Szene gesehen. Henning und ich streiten regelrecht, weil er die Waffe auf keinen Fall in dem Clip haben will, der repräsentiert ja auf der einen Seite nicht nur mich, sondern auch Clepto. Und Clepto ist so entfernt von Waffen und allem, dass sie für ihn da nichts drin zu suchen hat. Er denkt halt ich will damit irgendwas glorifizieren, aber ich habe soviel Freunde durch Waffengewalt verloren, ich kann das Thema nun komplett ignorieren oder ich kann es zeigen, weil es einfach in meiner Realität stattfindet. Und ich finde es wichtig das zu zeigen, auch wenn es für Henning nur eine dumme unnötige Sekunde in dem Clip ist.”

Pascal Kerouche

Hürden & Rückschläge

Schon vor zwei Jahren stand die Idee einer gemeinsamen Kollektion mit Cleptomanicx im Raum. Bis zum Drop heute war es ein langer und teilweise auch steiniger Weg, bei dem nicht immer alles glatt verlaufen ist, wie Pascal einräumt. Hinzu kamen dann noch volle Terminkalender und einige Widrigkeiten, auf die weder Pascal noch Cleptomanicx Einfluss hatten:

“Ich glaube, ich habe jede Hürde mitgenommen, die es gibt. Also es ging wirklich alles schief, von hin und herschicken der Samples, weil ich nicht mit dem Druck zufrieden war, bis hin zu Verspätung der Sachen und und und. Alleine bei dem Video ist alles schiefgelaufen. Zuerst wurde Hennings Flug gestrichen, dann haben wir das Airbnb verloren und standen in L.A. ohne Unterkunft. Dann kamen die Klamotten drei Tage zu spät, dann hatten wir keine Linsen für die Kamera, dann war unsere Zeit aber mega begrenzt, weil ich auf ‘Palmen aus Plastik’-Tour musste. Also, es lief wirklich alles schief. Wie gesagt, komplett Clepto hat mich an einem gewissen Punkt auch gehasst.”

Pascal Kerouche

An dieser Stelle entschuldigt er sich insbesondere bei Lisa. Eigentlich hätte Pascal noch Produktfotos für den Webshop machen sollen, aber es einfach nicht geschafft. In letzter Sekunde musste dann Lisa einspringen und die Aufgabe übernehmen. Aber Pascal will es wieder gut machen:

“Mir war völlig bewusst, dass es mehr als knapp war. Sie ist glaube ich innerlich ausgerastet – ich habe die Sprachnachricht immer noch nicht abgehört von ihr haha. Sorry nochmal dafür Lisa, Essen oder Kino steht! Was auch immer du möchtest.”

Pascal Kerouche

Zukunftspläne

Fashion-Projekte möchte Pascal nach dieser Kollabo erstmal keine machen. Da er null einschätzen könne, wie die Kollektion ankommt, sei der Druck grad so hoch, dass er erstmal gar nicht an andere Fashion-Kollabos denken möchte. Außerdem hat Clepto jede Menge Para da rein investiert. Klar also, dass Pascal auch abliefern möchte und sich wünscht, dass die Pieces gut ankommen. Trotzdem hat er Bock drauf, zukünftig noch weitere Kollektionen zu erschaffen, die in den unterschiedlichsten Städten basieren, vor allem in New York, wo Pascal ja schon mehrere Jahre seines Lebens verbracht und der Weg zum renommierten Fotografen für ihn begonnen hat:

“Das wäre natürlich Hammer. Und ist natürlich auch so bisschen mein Hintergedanke gewesen. Ich mein, wenn das jetzt funktioniert, hat man eine komplette Grundlage geschaffen. Man kann die Kollektion immer Orte bedingt machen. New York und Hamburg liegt natürlich am nächsten, aber es ist dem ganzen keine Grenze gesetzt, ich könnte mit Clepto zusammen auch eine Japan Edition, eine Philippinen, was auch immer Kollektion machen. Tatsächlich ist es so, dass ich sogar mit Clepto schon gesprochen habe, dass wenn es ein Erfolg wird, ich gerne als nächstes mit ihnen eine New York-Kollektion machen würde – vielleicht so Sommer 2020. Das wäre dann natürlich ein wenig einfacher, wir haben jetzt alle Prints und Schnitte getestet, die Grundlage steht. Dazu muss ich noch sagen, eine Hamburg-Kollektion ist allerdings grade das was ich mir am wenigsten vorstellen kann. Eher noch eine Kollabo mit ‘Vandalsport’ und ein paar Graffiti Motiven aus Hamburg.”

Pascal Kerouche

Außerdem sind sowohl Gzuz als auch Bonez grad mitten in den Arbeiten zu ihren kommenden Solo-Alben. Auch hier wird Pascal involviert sein und kreativen Input liefern. Für 2020 hat er sich darüber hinaus vorgenommen, weitere Clips als Regisseur zu machen und sich vor allem auch wieder etwas mehr Zeit für sich selber einzuräumen. Dadurch will er auch anstehenden Projekten “mehr Raum zu atmen” geben: “Ich glaube auf Dauer leidet die Qualität und Kreativität darunter”, so Pascal. Seine Kollabo mit Cleptomanicx droppt heute um 12 Uhr und ihr könnt sie HIER auschecken!

Wir bedanken uns von ganzem Herzen bei Pascal, für sein Vertrauen, die Antworten und vor allem seine Zeit, die ohnehin schon knapp und voller Termine ist. Wir küssen deine Augen – vielen Dank für das schöne und aufschlussreiche Interview! Alle Fotos in diesem Artikel sind von Pascal Kerouche. 

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